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Die Profis sind bereits voll des Lobes über die polnischen Grüns.

GOLF Magazin 10-2003, autor Stefan von Stengel (text & photos)
AUSGABE NR 10 OKTOBER 2003
Nach Polen zum Golfen? "Gibts da denn wirklich Golfplätze?" "Aber ihr fahrt doch nicht mit dem Auto hin, oder?" So oder so ähnlich lauten die häufigsten Reaktionen, wenn die Sprache auf einen Golftrip nach Polen kommt. Um die erste Frage zu beantworten: Ja, es gibt in Polen Golfplatze. Zwar zur Zeit nur zehn, aber einiges ist im Werden. Nicht alle haben 18 Locher, und nicht allzu viele haben die Qualitat des Gdansk Golf & Country Club südlich von Danzig, von dem hier die Rede ist. Aber immerhin.
 Und auch mit dem Pkw konnte man die Reise antreten, ohne Angst haben zu müssen, dass er geklaut wird. Die Strecke ist zwar lang und zieht sich bis zu über acht Stunden - je nachdem aus welchem Bundesland die Reise losgeht - aber die Tankstellen sind beleuchtet und werden per Video dauerüberwacht. So sollte das alte Vorurteil langsam aber sicher der Vergangenheit angehören.
Im Übertragenen Sinne holprig ist es allerdings schon, in die alte Hansestadt Danzig zu kommen. Der polnische Partner der Lufthansa LOT bietet im Moment als einer der wenigen Carrier Flugverbindungen an. Leider nicht wirklich günstig, wenn man nicht gerade einen der Flieg&Spar-Tarife, zum Beispiel übers Wochenende, bucht.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass noch nicht so viele Golftouristen aus Deutschland den Weg nach Polen gefunden haben. Dabei loht es sich wirklich, und die warmherzige Freunde der dankbaren Gastgeber ist deutlich zu spuren. Wir haben hier einen 1A-Golfplatz in hervorragendem Pflegezustand.
Und einen freundlichen Service, den Sie woanders nicht selbstverständlich finden. Und wenn dann irgendwas doch noch nicht perfekt läuft, dann organisieren wir das für Sie!", empfangt uns in perfektem Deutsch William Siwek, der Besitzer und Geschäftsführer des betreibenden Postolowo Golf Club.
Nicht verwirren lassen: Der Gdansk Golf & Country Club und der Postolowo Golf Club gehören zusammen, ähnlich wie Betreibergesellschaft und Verein. Der sympathische Handicap-10-Spieler hat das Sagen. 1995 ist er mit dem Geld seiner Schiffsbrokerfirma eingestiegen und hat viele Jahren später die brach liegende Anlage ganz übernommen und vor dem Ende gerretet. Eine tapfere Entscheidung, die er sich zusammen mit seiner Ehefrau Gabi nicht leicht gemacht hat. Als er nach 15 Jahren in Hamburg damals nach Polen zurückkehrte, wollte er in seiner Heimat eigentlich "nicht mehr tun". Wie das so ist, mit dem "eigentlich", kam dann alles anders. Bereits seit 1992 Mitglied, wusste Siwek durch viele Golfreisen ins Ausland, wie gut der Platz vor seiner Haustür wirklich war. Ein echter Rohdiamant, mit allen Grundanlagen für ein echtes Schmuckstück.
 Der hohe Anspruch war allerdings auch der Grund, warum sich die Initiatoren, zwei Ehepaare aus Sweden, mit dem Projekt übernommen hatten. So ließen 1989 auf über 100 Hektar von dem englischen Architekten Jeremy Turner einen echten Championshipcourse konzipieren, bauten ihn sogar nach USGA- Richtlinien und hoffen auf skandinavische Greenfeegäste und einheimische Mitglieder. Eine Rechnung, die nicht aufging. Ob der Einsatz von William Siwek Früchte tragen wird, weiß auch er nicht. Aber er glaubt fest daran, und die Reaktionen der Gäste geben Anlass zur Hoffnung. Alle, die bisher hierher in die Suden Danzigs - es ist übrigens die Geburtsstadt des wortgewandten Premiere-Golfmoderators Irek Myskow - gekommen sind, waren begeistert.
Auch Profispieler und sogar die hohen Herren aus St. Andrews waren angenehm überrascht. Sowohl Euro-Tour-Sieger wie David Howell und Soren Hansen, der hier bei der Polish Open 1997 den Rekord aufstellte, wie auch Heinz-Peter Thul waren voll des Lobes - vor allem über die Qualität der Grüns. Unser "Thuli" spielte sich beim selben Turnier ein Jahr später in die Herzen der Zuschauer. Als Führender nach zwei Tagen war er in der Schlussrunde gegenüber seinem swedischen Flightpartner weit zurückgefallen. Auf der 18, einem für die Pros 495 Meter langen Par 5, mobilisierte er dann alle Kräfte. Nach seinem Drive zündete er, sein Holz 3 vom Fairway und jagte die Kugel carry 240 Meter übers Wasser und knapp zwei Meter an den Stock. Doch selbst der versenkte Putt zum Eagle reichte nur für den zweiten Platz. Aber ein klasse Abgang! Das Finale ist überhaupt eine der Starken des Platzes. Der Meisterschaftsplatz - mit einem Slope von 132 ohnehin schwer eingestuft - zieht an den letzten vier Bahnen noch mal an: Dem schonen und schwierigen 15 Loch, einem 375 Meter langem Par 4 mit einem Halbinselgrün, folgt ein strammes Par 3, 186 Meter carry übers Wasser. Eine kurze Erholung an der 17, und schon steht man an "Thulis" Finishinghole.
Eine Runde, die zum Beispiel einen Wochenendausflug nach Danzig wirklich lohnend macht. Zumal die Sehenswürdigkeiten der 1000 Jahre alten Hansestadt und die Nachbargemeinde Sopot m Ostseestrand ohnehin eine Reise wert sind. Dort gibt es seit Kurzem das neue Hotel Haffner, ein Vier-Sterne-Haus nach internationalem Standard.
Und da sich die polnischen Gastgeber bewusst sind, dass kleine Unbequemlichkeiten für den Golftouristen möglichst aus der Welt geschafft werden müssen, bekommen die gaste im Zimmerpreis eingeschlossen nicht nur den Bustransfer zum Golfplatz, sonder auch noch eine klassische Massage obendrauf. Eben ganz nach William Siweks Motto: Was noch nicht perfekt ist, "das organisieren wir". |